Neil Gaiman: Das Graveyard-Buch

Ich gehöre zu den Menschen, die die Auswahl ihrer Bücher sehr grotesk vornehmen. Kritiken interessieren mich generell nicht und wenn ich mich auf die Suche nach neuem Lesestoff mache, sind die Wege dahin oftmals geprägt von ’schönen‘ Einbänden oder Titeln, die mich nicht mehr loslassen.
So geschehen auch mit Neil Gaimans ‚Das Graveyard Buch‘, welches ich momentan mal wieder in den Händen halte.
Eigentlich ein Kinder- bzw. Jugendbuch, aber ich mag solche Schubladen sowieso nicht, daher…

Noch mehr Baby als Kleinkind sieht der kleine Protagonist der Geschichte mit an, wie seine Eltern brutal getötet werden. Als einziger Überlebender dieses grausamen Verbrechens findet er sich auf dem, nahe der Wohnung gelegenen, Friedhof wieder. Und hier beginnt das seltsame Erwachsenwerden des Jungen.
Der Geist seiner Mutter bittet die Seelen des Friedhofs darum, sich ihres Sohnes anzunehmen, damit der Killer ihn nicht auch töten kann. Mr. und Mrs. Owens ‚adoptieren‘ den kleinen Kerl, der von nun an Nobody Owens, genannt Bod, heißt und zwischen und von Geistern großgezogen wird.
Wer die Augen schließen und in eine Geschichte eintauchen kann, wird diese lieben.
Da gibt es Bods Mentor Silas, einen Vampir, Werwölfe und Hexen, die Hunde Gottes und die graue Dame auf dem Pferd, Geister quer aus den verschiedensten Epochen, mal mit Depressionen und mal mit Lebensweisheiten der besonderen Art.
Alles ganz normal…für Bod, denn was er fürchtet, ist die Welt jenseits der Friedhofsmauer, die Welt der Lebenden, die Welt, aus der der Killer Jack kommt und der er sich stellen muss…früher oder später.

Das Buch kommt weder mit überzogener Gewalt, noch mit erhobenem Zeigefinger daher, dafür aber mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor.
Wenn Bod die Tatsache, dass Jack auch ihn noch töten will, mit einem schlichten „Und? Die meisten meiner besten Freunde sind tot!“ kommentiert, kommt man aus dem Grinsen nicht mehr heraus.
Gaiman hat seinen ganz eigenen Stil und für mich gehört ‚Das Graveyard-Buch‘ eindeutig zu den Büchern, die man wieder und wieder lesen will.
Und auch wenn es um’s Erwachsenwerden mit seinen Tücken geht, wird es niemals kindisch oder langweilig.
Im Gegenteil, fesselnd und mit einem Humor, der den Briten erkennen lässt, mit einem Hauch von Melancholie und Märchen, das ist Bods Geschichte.

Wem beim Lesen übrigens der Gedanke kommt, die Storyline wäre ihm nicht ganz unbekannt: inspirieren ließ sich Gaiman durch ‚Das Dschungelbuch‘ von Rudyard Kipling

 

 

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