Zombiefutter: nichts hat sich geändert

Vor einer Stunde hat mich ein Tweet hierhin geführt.
1984, das Jahr, von dem Orwell schrieb, dass wir unter dem totalitären Überwachungsstaat leiden würden. Fast schon bezeichnend.
Nun denn, vor über 20 Jahren waren sich diverse Politiker und Experten also schon einig, dass Gewalt in Medien für schreckliche Taten in der Bevölkerung verantwortlich seien. Wie gut, dass das Volk damals noch keine Zensursula hatte.

Einige der angeprangerten Filmchen habe ich irgendwann auch gesehen. Und mir jetzt überlegt, ob sie wirklich so schlimm waren, wie in diesem Uraltartikel dargestellt.
Fazit: eigentlich finde ich die Streifen weniger schlimm, als schlicht und ergreifend blutig und nicht ernstzunehmen.
Die Götter seien natürlich davor, dass Kids diese Dinger sich anschauen! Aber solange Tageszeitungen Großaufnahmen eines getöteten Gadaffi zum Frühstück servieren und Nachrichtensendungen zum Abendessen mit Bergen von Leichen aus Kriegs- oder Katastrophengebieten aufwarten, frage ich mich, wo die Grenze ist. Reale Greuel sind journalistische Freiheit und dienen der Information, während fiktive Grausamkeiten auf einen Index gehören?
Liebe Journalisten und Redakteure, die ihr nur zu gerne heute noch dem Spiegelartikel von 1984 recht gebt, ich weiß ja, dass man sein Mäntelchen nach dem Wind hängt, Kohle machen will und natürlich dem politischen Programm der entsprechenden Parteineigung des jeweiligen Mediums den Hinter küssen muss, aber wie wäre es mal zur Abwechslung mit selbstständigem Denken? Oder lebt es sich wirklich so gut als Medienhure?

Nebenbei bemerkt: bereits als Kind habe ich die Geschichten von Edgar Allan Poe verschlungen, habe die Grimm’schen Märchen hoch und runter gelesen und weder das subtile Grauen des Ersteren, noch die Greueltaten in den Büchern der Zweiten haben mir geschadet…kein Amoklauf, keine Waffennärrin (ganz im Gegenteil!) und kein überaus gestörtes Verhältnis zu meiner Umwelt. Selbst die Filmindustrie hat mich nicht geschädigt, ich will niemanden fressen, keine Nation von Zombies auf der Welt sehen und mein Bedürfnis nach aufgeschlitzten Menschen tendiert weit unter Null.
Der einzige Film, der mich in den letzten Jahren schockiert hat, war „The girl next door“.
Und der, liebe vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Apostel von Moral, Anstand und angeblichem Beschützerinstinkt, basiert im Kern auf keinem Autoren- oder Regisseurenhirn, sondern entspringt dem wahren Leben.
Was ist also wirklich grausam und verdammenswert: das wahre Leben oder die Fiktion?

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